Die Technik

Die Gesamthöhe des Leuchtturms beträgt, einschließlich des im Meeresgrund stehenden Fundaments, 52,5 m. Der Turm erhebt sich bei Niedrigwasser 30,7 m über dem Meeresspiegel. Der Fundamentsockel ist bei Hochwasser um mehr als 1 m überspült. Schiffe haben die Möglichkeit an zwei Dalben vor dem Turm festzumachen.

Die Stahkonstruktion des Leuchtturms besteht aus 5 Geschossen, welche durch abgeschottete Treppengänge miteinander verbunden sind. Die einfache Ausstattung an historischen Möbeln und Gebrauchsgegenständen ist historisch belassen worden oder wurde neu beschafft.

Kennung Leuchtturm Roter Sand

Hauptfeuer : festes weißes Feuer und weißer Blitz ( Blitz 1,25 s, Pause 1,25 s, Blitz 1,25 s, Pause 4 s ). Linse 4. Ordnung. Sichtweite 10 Seemeilen. Hauptfeuer 1964 gelöscht.

Nebenfeuer : festes weißes Feuer Linse 5. Ordnung. Sichtweite: 8 Seemeilen. Nebenfeuer ab 1972. Festes Sektorenfeuer Rot/Weiß/Grün. Sichtweiten: Weiß 10/ Rot 7/ Grün 6 Seemeilen. 11.11.1986 Nebenfeuer gelöscht.

Quellen: Leuchtfeuerverzeichnis von 1891 und 1972

 

Die Befeuerung auf dem Leuchtturm Roter Sand

In der Laterne des Turms befindet sich 27 m über Hochwasser ein Hauptfeuer für die Einsegelung in die neue Weser. Dieses Hauptfeuer, ein Fresnelscher Apparat IV Ordnung mit Otterschen Blenden, ist in der Richtung von N 68' W durch Süd bis S 46' 0, 10 Seemeilen weit sichtbar. Dasselbe erscheint als festes weisses Leitfeuer zwischen N 75' W und N 82' W, desgleichen zwischen S 36' 0 und S 40' 0. Zwischen diesen festen Sektoren, d. i. von N 82' W durch Süd bis S 36' 0, erscheint das Feuer als weisses Blitzfeuer mit gleichmässig aufeinander folgenden Blitzen, wobei die Dauer der Blitze und der Verdunkelung je ca. 11/4 Sekunden beträgt; ausserhalb der festen Sektoren, von N 68'W bis N 75'W, sowie von S 40'0 bis S 46'0, dgegen als weisses Blitzfeuer mit 2 rasch aufeinander folgenden Blitzen, denen eine Verdunkelung von ca. 4 Sekunden folgt. Dieses Hauptfeuer hat einen Durchmesser von 3,3 m. Über diesem Hauptfeuer erhebt sich noch die Kuppel von Kupferblech bis zu 30,7 m Höhe über N. W = Niedrigwasser.

Ein Nebenfeuer in dem nordöstlichen Erker, auf 22,9 m über Hochwasser für die Einsegelung in die "Alte Weser". Dieses Nebenfeuer, ein Fresnelscher Apparat V Ordnung, ist ein festes weisses Feuer und in der Richtung von N 25'W durch Nord bis N 41' 0 8 Seemeilen weit sichtbar.

Zwei Orientierungsfeuer, Fresnelsche Apparate VL Ordnung, welche 5 m unter dem Hauptfeuer in dem nordwestlichen und südlichen Erker aufgestellt sind. Das nordwestliche Orientierungsfeuer zeigt in der Richtung N 68'W durch West bis S 77' W, das südliche in der Richtung S 28' 0 bis S 46' 0 ein festes weisses Licht, welches mit blossem Auge auf über 2 bis 21/2 Seemeilen Entfernung vom Turm nicht mehr deutlich sichtbar ist; das Sichtbarwerden dieser Feuer bezeichnet die Punkte, wo die Schiffe von dem einen Leitfeuer in das andere hinüber zu steuern haben.

Tiefgehende Schiffe dürfen sich dem Turme, des Roten Sandes wegen, in den festen Leitfeuern nur bis auf 11/2 Seemeilen nähern, und müssen denselben alsdann in einem Abstande von reichlich 5 Kabellängen oder etwa 1000 m passieren.

Der gesamte Leuchtapparat ist in Berlin hergestellt worden. Zur Bedienung des Leuchtapparates und des Telegrafen, der den Turm mit dem Lande verbindet, ist ein Turmwärter und ein Gehilfe angestellt, welche Proviant für mehrere Monate, ein seetüchtiges Boot und ausser zwei Zisternen im Fundament des Turmes einen Süsswasser-Kondensierapparat zur Verfügung haben; es gehören dazu starknervige, furchtlose Personen. denn die Nordsee dürfte in der rauhen Jahreszeit den dann völlig Abgeschlossenen ein Sturmlied zutosen, das auch die festen Herzen sturmgewohnter Seeleute erbeben machen könnte.

 

Die Lichtquelle

Das Leuchtfeuer bestand anfangs aus einem zweidochtigen Petroleumbrenner. Ab 1896 wurde, um die Tragweite des Feuers zu verbessern, der Leuchtturm über eine Kabelverbindung von der Insel Wangerooge mit Strom versorgt. Das Hauptfeuer erhielt damit als Lichtquelle eine elektrische Bogenlampe. Da jedoch diese Kabelverbindung häufig, vor allem im turmnahen Bereich, unterbrochen war, wurde der elektrische Betrieb 1904 wieder eingestellt. Das Leuchtfeuer musste wieder mit Petroleum betrieben werden.

Die erneute Elektrifizierung des Leuchtfeuers erfolgte erst Anfang der 40er Jahre. Dieselaggregate sorgten für 110 Volt Gleichstrom. Sie versorgten am Tage das Bordnetz und luden gleichzeitig Nickel‑--Eisen‑--Batterien für den Nachtbetrieb. Durch diese Stromversorgung konnten bereits 1000‑--Watt‑--Lampen eingesetzt werden, mit denen eine beträchtliche Verbesserung der Leuchtfeuertragweite erzielt wurde. Einer der wesentlichen Gründe für die späte Elektrifizierung war seine exportierte Position am Rande der offenen See.

In dieser Zeit wurden mit den leuchtfeuertechnischen auch bauliche Änderungen durchgeführt. Das untere Stockwerk wurde Lagerraum, im zweiten Stockwerk konnte die Stromerzeugung eingerichtet werden. Das dritte Geschoss erhielt die Küche, während das vierte als Schlafraum ausgebaut wurde. Darüber befand sich der Dienstraum. Auf der Plattform wurde ein neues Laternenhaus aufgesetzt.

Die Leuchte war mit einer 1000‑--Watt‑--Lampe mit Wechselvorrichtung ausgerüstet worden; daneben wurde am nordöstlichen Erker ein Nebelschallsender montiert.

Nach der Inbetriebnahme des Leuchtturms "Alte Weser" wurde 1964 die Besatzung vom Leuchtturm Roter Sand abgezogen und ein automatisch geregeltes Propangasfeuer eingerichtet.

(Gerd Thielecke) aus dem Buch Leuchtturm Roter Sand 1985

 

 

Schnitt durch den Leuchtturm

Schnitt durch den Leuchtturm

Die Glocke im Museeum

Die Glocke im Museeum

Tafel Hauptfeuer

Tafel Hauptfeuer

Das Hauptfeuer

Das Hauptfeuer

Tafel Nebenfeuer kl

Tafel Nebenfeuer

Das Nebenfeuer

Das Nebenfeuer